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Die Initiative

Liese Prokop Preis 2009

Für die bisher zehnjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Initiative "Nur ein Hauch von Leben" wurde Karin Schnabl und Prim. Dr. Sonja Gobara der Liese Prokop Preis 2009 durch ÖVP-Bundesparteiobmann Josef Pröll, zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer und Staatssekretärin Christine Marek, gemeinsam mit Gunnar Prokop am 14.4.2009 der Liese Prokop Preis überreicht.

Die Initiative „Stille Geburt“

(vormals „Nur ein Hauch von Leben) für Mütter und Väter, deren Kind während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder im ersten Lebensjahr gestor-ben ist, besteht seit 1999. Mehrere Menschen, die an verschiedenen Orten den Bedarf von Unterstützung realisierten, haben sich Gedanken über dieses Thema gemacht. Und einige davon sind im Mai 1999 in St. Pölten zusammengetroffen. Unter Mithilfe anderer Personen gründeten Frau Prim. Dr. Sonja Gobara und Karin Schnabl die SHG „Nur ein Hauch von Le-ben“ in St. Pölten. Unsere Beweggründe waren einerseits die eigene Betroffenheit und ande-rerseits das Miterleben der unzureichenden und unbefriedigenden Betreuungsmaßnahmen im Krankenhaus.

Broschüre, Erinnerungskarte und Webseite „Stille Geburt"

Mit der freundlichen Unterstützung der NÖ Landesregierung, Abteilung Gesundheitswesen konnten wir im Januar 2009 in 4. Auflage die Broschüre und Erinnerungskarte „Stille Geburt“ überarbeiten und neu auflegen. Die Broschüren und Erinnerungskarten müssten in allen NÖ Landeskrankenhäuser aufliegen und an betroffene Mütter weitergegeben werden. Ebenso konnten wir 2009 erreichen, dass die Programmierung unserer Webseite von der NÖ Landesregierung finanziert wurde. Dadurch können wir mehr Betrof-fene erreichen und gleichzeitig den professionell Helfenden Informationen anbieten. Die Bro-schüre konnte bereits 1999 mit Unterstützung der NÖ Landesregierung gestaltet werden.

Unser Wirken dient der Prävention von Folgeerkrankungen betroffener Menschen, z.B.

Projekte 2009/2010


In den vielen Jahren unserer Tätigkeit haben wir betroffene Menschen in vielerlei Hinsicht unterstützt

Geschichte der Initiative

Von 2000 bis 2005 war die Initiative ein eingetragener Verein. Nach Auflösung des Vereines und der SHG haben wir beide entschieden unsere ehrenamtliche Tätigkeit als private Initiative weiterzuführen, was wir bis dato auch tun.

Die Selbsthilfegruppe wurde viele Jahren zahlreich von betroffenen Menschen besucht. Die besondere Qualität der SHG war, dass sie von professionell ausgebildeten Menschen begleitet wurde (zwei Ärztinnen für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin, einer Hebamme, ausgebildet in Trauer- und Sterbebegleitung). Uns war sehr schnell klar, dass die Bedürfnisse der Betroffenen über die Begleitung von Betroffene zu Betroffene hinausgeht, was sich in folgenden Trauerreaktionen trauernder Mütter zeigte: Verdacht auf Suizid, Depression, posttraumatische Belastungsreaktion, pathologisch verlaufende Trauerreaktion.

In den ersten Jahren unserer ehrenamtlichen Tätigkeit konnten wir in St. Pölten eine erste Gedenkfeier für Betroffene organisieren, welche in den darauffolgenden Jahren regelmäßig statt fand. Diese Gedenkfeier wurde in der Krankenhauskapelle St. Pölten durch Herrn Pfarrer Schrattmaier abgehalten. Gleichzeitig konnte gemeinsam mit der Krankenhausseelsorge St. Pölten ein Gedenkplatz in der Krankenhauskapelle errichtet werden (mit Tonfigur, Gedenkbuch, Kerze). Im Rahmen der Gedenkfeier wurde das von uns und betroffenen Eltern neu gestaltete Sammelgrab für Fehl- und Totgeburten gesegnet. Das Organisieren der Gedenkfeier haben wir im Jahr 2003 an betroffene Eltern abgegeben.

Wir haben für Betroffene neben den monatlich stattfindenden Gruppetreffen einzelne Nachmittage veranstaltet, an denen sie der Trauer einen kreativen Ausdruck geben konnten (z.B. Bemalen und Gestaltung von Kerzen).

Von Beginn unserer ehrenamtlichen Tätigkeit war uns sehr wichtig öffentlich und standespolitisch auf das Thema aufmerksam zu machen. Gleichzeitig haben wir mit Schulungen und Vorträgen begonnen, wobei unser Hauptaugenmerk der MitarbeiterInnen-Schulung der Geburtshilflichen Abteilungen in den Krankenhäusern in NÖ galt. Weiters wurden von uns zahlreiche Institutionen, wie das Akutteam NÖ, Kriseninterventionsteam Kärnten, Rotes Kreuz Kärnten, Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, Fachhochschule für Gesundheit und Soziales Wien, Bildungshaus Maria Trost, BestatterInnen geschult. Wir führen eigens für diese Thema organisierte Veranstaltungen durch und wirkten unter anderem bei der Enquete „Nur ein Hauch von Leben“ in St. Pölten mit, welche vom NÖGUS, aufgrund unserer Ansuchen um Schulung bei der NÖ Landesregierung, organisiert wurde.

Wichtig ist uns die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen ÄrztInnen, den Hebammen, den Bestattungsunternehmen, den Landeskliniken, NÖ Akutteam usw. Wir stehen auch in enger Zusammenarbeit mit Herrn Komm.Rat Willhelm Fuchs, Bestattungsunternehmer in Klosterneuburg, der uns über all die Jahre beraten hat.

Im stationären Setting haben wir uns z.B. speziell in den Jahren 1997 bis 2000 im Landesklinikum St. Pölten engagiert einen für betroffene Mütter zufriedenstellenden Betreuungsmodus einzuführen. Wir waren beide damals im Krankenhaus St. Pölten beschäftigt. Im Jahre 1997 war es nicht üblich, dass betroffene Mütter nach der Geburt ihr Kind sehen durften, es wurden keine Erinnerungsstücke angefertigt, die gebärenden Frauen wurden mit Schmerz- und Sedierungsmitteln versorgt, sodass sie keine klare Wahrnehmung von der Geburt des Kindes hatten, was den Trauerprozess trastisch erschwerte.

Wir konnten Schulungen für MitarbeiterInnen veranstalten, mit der Pathologie des Hauses vereinbaren, dass jede Fehl- und Totgeburt beerdigt werden kann und dass von Seiten der Pathologie die Wünsche der Eltern berücksichtigt werden. Wir konnten ebenfalls erreichen, dass die tot- und fehlgeborenen Kinder würdevoll durch die Hebamme empfangen wurden und den Eltern ein Begrüßen, Berühren und Verabschieden des toten Kindes möglich war.

Von 2003 bis 2007 haben wir uns bemüht, den Passus Fehl- und Totgeburt im NÖ Leichen- und Bestattungsgesetz zu ändern. Durch die Zusammenarbeit der NÖ Landesregierung wurde 2007 unser Anliegen im neuen NÖ Leichen- und Bestattungsgesetz berücksichtigt. Seither gilt jede Tot- und Fehlgeburt als Leiche und muss im Rahmen einer Sammelbe-stattung oder Einzelbestattung beerdigt werden.

Leider gibt es bis dato nicht für jedes Landesklinikum in NÖ ein Sammelgrab und nicht alle Eltern erfahren, dass alle fehl- und totgeborenen Kinder beerdigt werden müssen. So kommt es immer wieder vor, dass Mütter und Väter nicht wissen, wohin ihr Kind gekommen ist. Laut Gesetz ist es nicht mehr gestattet Fehl- und Totgeburten einwandfrei hygienisch zu entsorgen, was in den letzten Jahrzehnten passiert ist und für Betroffene eine zusätzliche Kränkung darstellt.


Für die Initiative,
Karin Schnabl und Prim. Dr. Sonja Gobara